Schwielen, Schweiß und Spargel

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Ein Spitzenarbeiter erntet bis zu 180 Kilo Spargel pro Tag – Unser Volontär wagte auf dem Feld den Selbstversuch

TETTNANG – Kurz nach sieben Uhr auf einem Spargelfeld in Dillmannshof, einem Weiler der Gemeinde Eriskirch am Bodensee. Die Temperaturen sind noch im einstelligen Bereich. Am Horizont schimmern die Reste des Morgenrots. Außer dem Zwitschern der Vögel und dem entfernten Rauschen der Argen ist nichts zu hören. Die zehn Erntehelfer machen sich schweigend für einen neuen Tag auf dem Spargelfeld bereit: Gummistiefel an, Stechmesser schärfen, dünne Arbeitshandschuhe angezogen und den Metallkorb für den Spargel in der Hand. Es kann losgehen. Acht Männer und zwei Frauen befreien die Erddämme von der weißen Folie. Spargelbauer Thomas Geiger zeigt mir, wie das Handwerk funktioniert: Breitbeinig vor dem Wall stehen wird die Erde mit dem Zeige- und Mittelfinger an einer Seite entfernt. Dann wird das Messer entlang des Spargels in die Erde gestochen. Jetzt folgt der schwierigste Teil: Mit dem Stechmesser muss der weiße Stängel unter der Erde an der richtigen Stelle getroffen werden. Ein leichtes Knacken ist das Signal, dass dies geklappt hat. Jetzt nur noch den Spargel unversehrt aus der Erde ziehen. Mein erster Versuch scheitert kläglich. Das ziellose Herumstochern bringt einen viel zu kurzen Stängel zum Vorschein.

09 20150527 Schwäbische Zeitung

Foto: Felix Kästle